FiDA

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Stefan Schnitzler

In dieser Ausgabe von „Zur Sache!“ geht es um die Beantwortung der Frage, wie die Regulierung der Financial Data Access-Richtlinie der EU (FiDA) nicht nur umgesetzt, sondern auch strategisch in Wirkung gebracht werden kann. Dazu spricht Simon Wilmerding mit dem EGC-Experten Stefan Schnitzler.

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Herzlich willkommen, lieber Stefan, zu unserer Ausgabe von ‚Zur Sache!‘ zum Thema ‚FiDA‘.

Vielen Dank, Simon. Ich freue mich, dass ich da bin.

Schön, dass wir hierzu sprechen können, Stefan. Zu FiDA ist aber ja eigentlich alles gesagt, oder? Es gibt Whitepaper, es gibt Panels, Umsetzungsleitfäden en masse. FiDA ist fachlich weitgehend geklärt, sollte man meinen. Aber ist es auch strategisch verarbeitet? Genau dieser Frage wollen wir uns in diesem Interview widmen. Deine These ist: FiDA ist kein Erkenntnisproblem, sondern ein Entscheidungsproblem.

Genau das zeigen die bisherigen Diskussionen meiner Meinung nach sehr deutlich, Simon.

Viele Banken und Versicherungen behandeln FiDA primär als Regulatorik oder IT-Projekt. Warum greift diese Sicht aus deiner Perspektive zu kurz?

Ich denke, Simon, sie greift zu kurz, weil sie zwar das regulatorische Risiko reduziert, aber eben keinen zusätzlichen Kundennutzen schafft.

Was wäre ein konkretes Beispiel für so einen Kundennutzen?

Ja, FiDA korrekt umzusetzen heißt eben zunächst einmal nur Pflichten zu erfüllen. FiDA wirklich zu nutzen heißt aber aus diesen neuen Datenzugängen auch konkrete Relevanz für die Kunden zu schaffen. Also Beispiele könnten sein, statt den Kunden verschiedene Produkte anzubieten, direkt schon ein konkret maßgeschneidertes Angebot machen, auf das der Kunde nur noch zustimmend antworten muss, also es annehmen muss. Statt eines einfachen Versicherungsmanagers könnte man aufzeigen, wo Doppeltversicherungen oder Unterversicherungen bestehen. Also kurz gesagt, dem Kunden Informationen statt Daten liefern.

Wenn ich das erreichen möchte, was bedeutet das für die Umsetzungen in den betroffenen Finanzdienstleistungsunternehmen?

Wer nach der technischen Umsetzung stehen bleibt, der ist zwar formal compliant, aber strategisch nicht weitergekommen und damit eben auch austauschbar.

Austauschbar ist natürlich ein starker Begriff, aber vermutlich genau richtig an dieser Stelle. Die Sorge vor dem Verlust der Datenhoheit ist sehr groß. Viele Institute empfinden FiDA als Machtverschiebung zugunsten von Digitalkonzernen, die sowieso schon vorhandene Datenkompetenz haben. Ist diese Sorge berechtigt?

Die Sorge ist schon nachvollziehbar, aber strategisch nicht zutreffend. Datenhoheit ohne sinnvolle Nutzung ist erst mal kein Wettbewerbsvorteil. Banken und Versicherungen verlieren nicht dadurch, dass sie Daten teilen müssen, sondern wenn, dann verlieren sie, weil es ihnen nicht gelingt, ein überzeugendes Nutzungskonzept selbst zu entwickeln.

Wie meinst du das?

FiDA zwingt niemanden in eine passive Rolle. Institute können zugleich ihre eigenen Daten bereitstellen, wozu FiDA sie verpflichtet, und sie können auch die Daten Dritter nutzen, also zum Data User werden. Es ist nicht die Regulierung, die entmachtet, sondern die eigene Passivität.

Also Proaktivität durch Datennutzung? FiDA erhöht die Datenverfügbarkeit deutlich, viele erwarten dadurch automatisch bessere Beratung oder bessere Services. Warum ist das aus deiner Sicht aber kein Selbstläufer?

Mehr Daten führen zunächst einmal vor allem zu mehr Komplexität. Kunden wollen aber keine vollständige Transparenz über alle Informationen, sondern sie wollen Orientierung und Klarheit. Der Mehrwert entsteht nicht durch Datenzugang, sondern durch den Kontext, die Priorisierung und auch das richtige Timing.

Das kann vermutlich jeder Bank- oder Versicherungskunde nachvollziehen. Aber wie könnte eine Bank zum Beispiel das konkret tun?

Sie könnte ihren Kunden in den jeweiligen Lebenssituationen passende Lösungen anbieten, statt einen überfrachteten Produktkatalog vorzulegen. Stichwort: User Journeys. Hier könnte insbesondere an die Vergleichsportale verlorenes Terrain wieder zurückgewonnen werden.

Das klingt nach gutem Marktpotenzial. Was ist die zentrale Managementfrage? Welche Frage sollten sich Entscheider in Banken und Versicherungen stellen, um dieses Marktpotenzial auch erschließen zu können?

Ich glaube, die zentrale Frage lautet: Wollen wir Infrastruktur sein oder Teil des Kundenerlebnisses? APIs bereitzustellen ist die Pflicht. Verantwortung für Relevanz zu übernehmen, ist dann schon eine klare Führungsentscheidung.

Ich verstehe, was du meinst. Zum Abschluss vielleicht eine bewusst provokante Frage. Wer wird durch FiDA in 5 Jahren irrelevant sein?

Das ist eine gute Frage, Simon. Ich glaube, irrelevant werden diejenigen sein, die glauben, mit der Erfüllung regulatorischer Pflichten sei auch ihre strategische Frage beantwortet. FiDA schafft zwar gleiche Startbedingungen, entscheidend ist aber dann, was die Institute wirklich daraus machen.

Das klingt nach motivierenden Startbedingungen für die Institute und wir werden in der Tat sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Vielen Dank, lieber Stefan, für deine Insights und die spannende Perspektive auf FiDA.

Ja, vielen Dank Simon, hat mich gefreut.

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